Was dieser Artikel behandelt
- Was TryHackMe ist und wie die Plattform aufgebaut ist.
- Konkrete Beispiele bekannter Räume und Lernpfade.
- Stärken und Schwächen, inklusive der Preise.
- Für wen TryHackMe passt und für wen nicht.
- Die besten Alternativen, von HackTheBox bis PortSwigger Academy.
Was ist TryHackMe?
TryHackMe ist eine britische Lernplattform für Cybersecurity, gestartet 2018, und inzwischen die meistgenutzte Anlaufstelle für Security-Einsteiger weltweit. Das Kernprinzip: Lernen passiert in sogenannten Rooms, geführten Übungsräumen, die ein Thema in kleine Aufgaben zerlegen. Mehrere Rooms werden zu Learning Paths gebündelt, kuratierten Lernpfaden von Netzwerk-Grundlagen bis zum Penetration Testing.
Der große Unterschied zu HackTheBox: TryHackMe erklärt. Fast jeder Raum enthält Theorie-Texte, Leitfragen und eine Schritt-für-Schritt-Führung, bevor es an die eigene Aufgabe geht. Viele Übungen laufen über die AttackBox, ein fertig konfiguriertes Linux-System direkt im Browser. Wer keine VM einrichten will, klickt auf „Start” und ist drin.
Die wichtigsten Lernpfade und Beispiel-Räume
Damit die Bewertung konkret wird, hier die Inhalte, die tatsächlich zählen:
| Lernpfad / Raum | Inhalt | Niveau |
|---|---|---|
| Pre Security | Netzwerk, Web, Linux, Windows-Grundlagen | Einsteiger |
| Complete Beginner | Vom ersten Scan bis zur ersten Box | Einsteiger |
| SOC Level 1 | SIEM, Log-Analyse, Phishing-Triage | Blue Team |
| Jr Penetration Tester | Methodik, Burp, Privesc, Metasploit | Mittelstufe |
| Offensive Pentesting | Angriffsketten, Active Directory | Fortgeschritten |
| OWASP Top 10 Raum | Die zehn Web-Risiken praktisch | Einsteiger |
Bekannte Einzelräume, die fast jeder auf der Plattform irgendwann macht:
- Basic Pentesting: der Klassiker, erste komplette Box mit Brute Force und Privesc.
- Mr Robot CTF: thematisch an die Serie angelehnt, WordPress knacken.
- Kenobi und Steel Mountain: Standard-Empfehlungen nach dem Beginner-Pfad, beide mit typischen Samba- und Windows-Vektoren.
- Linux Privilege Escalation: das Referenzthema, das später in jeder HackTheBox-Maschine wiederkehrt.
- Advent of Cyber: der jährliche Dezember-Event, 24 tägliche Mini-Challenges, kostenlos und ideal zum Reinschnuppern.
Was TryHackMe stark macht
Die niedrigste Einstiegshürde der Branche. Kein VPN-Setup, keine VM, kein „erstmal eine Woche Linux lernen”. Die AttackBox im Browser und die geführten Räume bedeuten: Wer heute anfängt, hackt heute das erste Mal legal.
Gamification, die funktioniert. Streaks, Badges, Level und Ranglisten sind billige Psychologie, aber sie wirken. Wer 30 Tage Streak hat, bricht seltener ab, und Abbruch ist der wahre Feind beim Security-Lernen.
Lernpfad-Struktur statt Selbstbau. Man muss nicht wissen, was man nicht weiß. Der Pfad sagt, was als Nächstes kommt, und das ist für Anfänger mehr wert als die größte Maschinen-Bibliothek.
Blue Team ernst genommen. Der SOC-Level-1-Pfad mit Phishing-Analyse, SIEM-Übungen und Incident-Triage ist eines der wenigen bezahlbaren Defensiv-Angebote überhaupt.
Wo TryHackMe schwächelt
Zu viel Vorkauen. Der größte Vorwurf der Community ist berechtigt: Viele Räume lesen sich wie interaktive Writeups. Man klickt sich durch, gibt die Antworten ein und hat am Ende ein Abzeichen, aber nicht unbedingt eine Fähigkeit. Wer jeden Raum nur „fertigklickt”, lernt das Ausfüllen, nicht das Hacken.
Ungleichmäßige Qualität. Neben den offiziellen Räumen gibt es tausende Community-Räume. Die Spanne reicht von hervorragend bis fehlerhaft, und als Anfänger erkennt man den Unterschied schlecht.
Die Paywall hinter dem Free-Tier. Der kostenlose Zugang deckt nur einen Teil der Räume ab. Der Kern der Lernpfade, die AttackBox-Dauer und viele beliebte Räume sitzen hinter dem Abo.
Bewerbungs-Wert begrenzt. „TryHackMe fertig” beeindruckt niemanden in einem Vorstellungsgespräch. Es ist die Schule, nicht das Zeugnis. Das Zeugnis liefern eher Zertifikate oder dokumentierte, selbst gelöste Boxen.
Was TryHackMe kostet
Das Abo liegt je nach Zahlungsintervall bei grob 10 bis 14 US-Dollar im Monat, mit Studenten-Rabatt darunter. Dafür gibt es alle Abo-Räume, mehr AttackBox-Zeit und die vollen Lernpfade. Dazu kommen seit einiger Zeit eigene Zertifikate wie den SAL1 für Security-Analysten und den PT1 für Pentester-Einsteiger, die separat bezahlt werden und sich preislich an Einsteiger-Niveau orientieren.
Faire Einordnung: Der Preis ist niedrig für das, was ein strukturierter Einstieg wert ist. Wer aber drei Monate zahlt und nur Walkthroughs abtippt, hat nichts gekauft außer Abzeichen.
Wie man TryHackMe richtig nutzt
Der größte Unterschied zwischen Lernenden ist nicht die Plattform, sondern der Umgang mit den Räumen. Drei Regeln machen den Unterschied:
Erst versuchen, dann lesen. Jeder Raum stellt Aufgaben und gibt die Erklärung dazu. Wer erst die Aufgabe liest, zehn Minuten selbst probiert und dann den Text nutzt, lernt doppelt. Wer sofort liest, lernt halb.
Mitschreiben, nicht nur mitklicken. Eine Notiz pro Raum mit den Befehlen, die funktioniert haben, und den Fehlern, die passiert sind, wird zur eigenen Referenz. Die Struktur dafür steht in Security Labs üben mit KI, dort ist der Lab-Vault beschrieben.
KI als Nachfrager, nicht als Antwortgeber. Wenn ein Raum-Schritt unklar ist, ist „Erkläre mir, was dieser Befehl genau tut und warum er hier funktioniert” der richtige Prompt, nicht „gib mir die Antwort”. Die KI vertieft den Raum, sie ersetzt ihn nicht.
Alternativen zu TryHackMe
| Plattform | Schwerpunkt | Preis | Unterschied zu THM |
|---|---|---|---|
| HackTheBox | Realistische Maschinen | Freemium, VIP ~14 USD | Härter, echte Praxis, fast keine Anleitung |
| PortSwigger Academy | Web-Security | Kostenlos | Tiefste OWASP-Quelle, vom Burp-Suite-Team |
| picoCTF | CTF für Einsteiger | Kostenlos | Spielerisch, von der Carnegie Mellon University |
| OverTheWire | Wargames im Terminal | Kostenlos | Bandit und Co. lehren Linux-Fundamente |
| LetsDefend | Blue Team, SOC-Simulation | Freemium | Realistischere Analysten-Übungen |
| VulnHub | VMs zum Download | Kostenlos | Volle Kontrolle, null Anleitung |
| CTFlearn | Community-CTFs | Kostenlos/Freemium | Eher Ergänzung als Plattform-Ersatz |
| Hacker101 | Videos plus CTF | Kostenlos | Von HackerOne, Richtung Bug Bounty |
Die Landschaft ist größer als TryHackMe, aber kein Konkurrent kombiniert Erklärung, Struktur und Übungsumgebung so gut für blutige Anfänger. Die Alternativen werden dann relevant, wenn THM zu viel vorkaut oder wenn man eine Spezialrichtung will: PortSwigger für Web, LetsDefend für Blue Team, HackTheBox für Ernsthaftigkeit.
Die Bewertung
Stärken: Bester Einstieg der Branche, faire Preise, starke Lernpfade, gute Blue-Team-Inhalte, funktionierende Motivationsmechanik.
Schwächen: Viele Räume verführen zum Abtippen statt zum Denken, Community-Qualität schwankt, und der Abschluss allein überzeugt keinen Arbeitgeber.
Für wen: Alle, die bei null anfangen, und alle, die Struktur brauchen. Auch für Blue-Team-Interessierte der beste bezahlbare Einstieg.
Für wen nicht: Wer Grundlagen schon hat und Realismus sucht, geht schneller zu HackTheBox. Wer nur Zertifikate fürs LinkedIn-Profil will, ist bei CompTIA und Co. besser aufgehoben.
Gesamturteil: 8 von 10 als Lernplattform für Einsteiger. Die beste erste Wahl, aber nicht die Endstation. Wer TryHackMe als Sprungbrett nutzt und nicht als Sammelspiel, bekommt genau das, was die Plattform verspricht.
Häufige Fragen zu TryHackMe
Ist TryHackMe kostenlos?
Teilweise. Es gibt kostenlose Räume und den jährlichen Advent-of-Cyber-Event komplett gratis, aber der Kern der Lernpfade und die meisten guten Räume sitzen hinter dem Abo.
Wie viel kostet das TryHackMe-Abo?
Grob 10 bis 14 US-Dollar monatlich je nach Laufzeit, mit Rabatten für Studierende. Die eigenen Zertifikate wie SAL1 und PT1 werden separat bezahlt.
Ist TryHackMe gut für absolute Anfänger?
Ja, dafür ist es gebaut. Der Pre-Security-Pfad setzt nichts voraus und erklärt Netzwerk, Linux und Web von Grund auf, bevor die erste Maschine kommt.
TryHackMe oder HackTheBox, was ist besser?
Für den Einstieg TryHackMe, weil es erklärt. Für realistische Übung danach HackTheBox. Die beste Antwort ist nacheinander, nicht entweder-oder.
Wie lange dauert der Complete-Beginner-Pfad?
Bei ein paar Stunden pro Woche grob zwei bis drei Monate. Wer täglich übt, schafft ihn schneller, aber Verstehen schlägt Durchklicken.
Kann ich TryHackMe im Lebenslauf angeben?
Abgeschlossene Lernpfade und ein gutes Ranking können bei Junior-Bewerbungen erwähnt werden, allein überzeugen sie nicht. Besser sind dokumentierte Writeups gelöster Boxen.
Was ist die AttackBox?
Ein fertig konfiguriertes Linux-System mit allen Tools, das direkt im Browser läuft. Damit übt man ohne eigene VM oder VPN-Einrichtung.
Lohnt sich TryHackMe für Blue Team und SOC?
Ja, der SOC-Level-1-Pfad ist einer der besten bezahlbaren Defensiv-Einstiege: SIEM-Übungen, Phishing-Triage, Log-Analyse, Incident-Abläufe.
Gibt es TryHackMe auf Deutsch?
Nein, die Plattform ist komplett englisch. Das ist im Security-Bereich ohnehin die Arbeitssprache, die meisten Befehle, Tools und CVEs sind englisch.
Kann man TryHackMe-Räume cheaten?
Antworten lassen sich ergooglen, klar, aber damit betrügt man nur sich selbst. Der Raum ist die Übung, nicht das Quiz.
Welche Alternativen gibt es zu TryHackMe?
HackTheBox für mehr Realismus, PortSwigger Academy für Web-Security kostenlos, picoCTF und OverTheWire als Gratis-Einstieg, LetsDefend für Blue Team.
Ist der SAL1 von TryHackMe etwas wert?
Als strukturierter Einsteiger-Nachweis ja, als Job-Türöffner noch zu neu und zu unbekannt. Bewährte Namen wie Security+ oder eJPT haben mehr Anerkennung.
Funktioniert TryHackMe auch ohne VPN?
Ja, über die browserbasierte AttackBox. Wer mit eigenem Rechner per OpenVPN verbindet, kann das ebenfalls, braucht es aber nicht zwingend.
Wie kombiniere ich TryHackMe mit KI-Tools?
Die KI erklärt Dir Konzepte, wenn der Raum-Text zu knapp ist, und gibt Denkanstöße, wenn Du festhängst. Der Workflow dazu steht in Security Labs üben mit KI.
Was mache ich nach TryHackMe?
HackTheBox Starting Point und die ersten Easy-Boxen, danach ein Zertifikat wie eJPT oder die HTB Academy Richtung CPTS. TryHackMe ist die Vorschule, nicht das Ziel.
TryHackMe ist die Haustür, nicht das Haus
Als Einstieg in Cybersecurity ist TryHackMe aktuell ungeschlagen: strukturiert, motivierend, legal und bezahlbar. Die Schwäche liegt im Erfolgsrezept selbst, wer sich durch Räume führen lässt, muss später lernen, sich nicht mehr führen zu lassen. Der richtige Weg: Lernpfade durchziehen, dann bei HackTheBox beweisen, dass es ohne Anleitung geht. Grundlagen dazu in Cybersecurity lernen mit KI, den kompletten Lab-Workflow in Security Labs üben mit KI.


