Herdr: Der Terminal-Multiplexer für KI-Coding-Agenten
Was dieser Artikel behandelt
- Was Herdr ist und warum das Projekt gerade so schnell wächst.
- Wie Herdr technisch funktioniert und was es von tmux unterscheidet.
- Wer Herdr sinnvoll einsetzt und wer es nicht braucht.
- Welche Alternativen es gibt und wann sie besser passen.
Was ist Herdr?
Herdr ist ein Terminal-Multiplexer, der speziell für den Betrieb mehrerer KI-Coding-Agenten gebaut wurde. Wie bei tmux läuft im Hintergrund ein Server, dem echte Terminal-Prozesse gehören. Du dockst mit einem Client an, siehst Panes, Tabs und Workspaces, und wenn Du den Client schließt, läuft alles im Server weiter.
Der Unterschied: Herdr erkennt, welche Coding-Agenten in den Panes laufen, und liest deren Zustand aus. In einer Seitenleiste siehst Du pro Agent, ob er working, blocked, done oder idle ist. Wer regelmäßig zwei, drei oder mehr Agenten gleichzeitig arbeiten lässt, kennt das Problem: Irgendwo wartet einer auf eine Rückfrage, und man findet ihn erst nach Minuten. Herdr markiert genau diesen Fall.
Das Projekt ist in Rust geschrieben, kommt als einzelnes Binary für macOS, Linux und Windows (Beta) und ist vollständig quelloffen. Die Zahlen sind beachtlich: über 40.000 GitHub-Sterne und laut Projektangaben mehr als eine Million Installationen. Herdr gehört damit zu den am schnellsten gewachsenen Entwicklerwerkzeugen des Jahres.
Wie Herdr funktioniert
Server, Workspaces, Panes
Herdr trennt sauber zwischen einem dauerhaft laufenden Server und den Clients, die sich verbinden:
- Session: Der Server-Namespace, in dem alles lebt.
- Workspace: Der Container pro Projekt oder Repository. Darin liegen Tabs und Panes.
- Pane: Ein echtes Terminal. Lässt sich horizontal und vertikal teilen, überlebt jedes Detach.
- Agent: Ein Prozess in einem Pane, den Herdr als Coding-Agent erkennt.
Startest Du herdr, verbindest Du Dich mit dem Hintergrund-Server. Schließt Du das Fenster oder bricht die SSH-Verbindung ab, arbeiten die Agenten einfach weiter. Beim nächsten herdr bist Du wieder exakt dort, wo Du aufgehört hast, inklusive aller Layouts. Das gilt sogar über Maschinen hinweg: Herdr kann per SSH remote verbunden werden, sodass Du vom Laptop aus die Herde auf Deinem Server oder Arbeits-PC steuerst.
Agenten-Erkennung
Herdr unterstützt über zwanzig Agent-CLIs, darunter Claude Code, Codex, Devin CLI, Cursor Agent, OpenCode, Qwen Code, Gemini CLI, Grok CLI und Hermes Agent. Die Erkennung läuft über zwei Wege: Entweder Herdr liest den Zustand aus dem, was der Agent auf den Bildschirm zeichnet, oder der Agent meldet seinen Status selbst. Für manche Agenten installierst Du eine kleine Integration per herdr integration install.
Die Oberfläche ist mausfreundlich: Panes anklicken, Trennlinien ziehen, Rechtsklick-Menüs. Wer will, arbeitet aber komplett mit tmux-artigen Prefix-Tasten (ctrl+b).
Agenten steuern Herdr selbst
Der interessanteste Teil ist die Socket-API. Die CLI und die Socket-API bieten Agenten exakt dieselbe Oberfläche wie Menschen: Ein Agent kann Panes anlegen, andere Agenten starten, deren Output lesen und warten, bis ein anderer Agent wirklich blocked ist, statt blind Tastendrücke zu senden. Herdr wird damit nicht nur Werkzeug für Dich, sondern Infrastruktur, auf der Agenten andere Agenten koordinieren können. Herdr liefert dafür sogar eine Skill-Datei mit, die Agenten beigebracht wird.
Dazu kommt ein Plugin-System mit einem Marktplatz, über den die Community bereits über tausend Erweiterungen pflegt.
Installation
Die Installation geht über ein Einzeiler-Skript oder Paketmanager:
# Install-Skript (macOS, Linux)
curl -fsSL https://herdr.dev/install.sh | sh
# Alternativ per Homebrew
brew install herdr
# Alternativ per mise
mise use -g herdr
Unter Windows läuft Herdr derzeit als Beta über ein PowerShell-Install-Skript. Danach reicht herdr im Projektverzeichnis: Der Server startet automatisch, und Du kannst Panes splitten und Deine Agenten darin starten. ctrl+b q detacht, das nächste herdr verbindet wieder.
Wer sollte Herdr installieren?
Sinnvoll für Dich, wenn:
- Du regelmäßig mehr als einen Coding-Agenten gleichzeitig laufen lässt und den Überblick verlierst.
- Du Agenten auf einem Server oder Homelab betreibst und Dich von verschiedenen Maschinen aus wieder andocken willst.
- Du ohnehin im Terminal lebst und etwas Mächtigeres als tmux suchst, ohne auf echte Terminal-Prozesse zu verzichten.
- Du Agenten orchestrieren willst, also ein Agent andere Agenten anweisen und auf sie warten soll.
Eher nicht nötig, wenn:
- Du nur einen Agenten benutzt und der ohnehin in Deiner IDE oder Deinem Editor lebt. Dann bringt Herdr Overhead ohne echten Gewinn.
- Du eine grafische Oberfläche mit Diff-Review und Merge-Workflow erwartest. Herdr ist bewusst Terminal-first und reviewt keine Diffs für Dich.
- Du auf Worktree-Isolierung pro Agent angewiesen bist. Herdr teilt das Terminal, nicht das Repository. Mehrere Agenten im selben Repo können sich ins Gehege kommen. Dafür brauchst Du Git-Worktrees zusätzlich oder ein Tool, das sie mitbringt.
Ähnliche Tools im Vergleich
Der Markt der Agent-Runner wächst gerade rasant. Die wichtigsten Alternativen:
- Claude Squad: Open-Source-TUI, das pro Agent eine tmux-Session und einen Git-Worktree verwaltet. Näher an tmux als an Herdr, dafür mit eingebauter Worktree-Isolierung und Push-Kommando für Pull Requests. Gut, wenn Du leichtgewichtig bleiben willst.
- Conductor: Desktop-App für macOS mit sehr sauberem Diff-Review. Worktree-Isolation inklusive, aber nur für Mac und proprietär.
- Vibe Kanban: Kanban-Board im Browser, jede Karte bekommt Workspace, Branch und Terminal. Das ursprüngliche Unternehmen dahinter wurde aufgelöst, das Projekt läuft als Community-OSS weiter. Richtig, wenn Du in Aufgaben statt in Sessions denkst.
- Nimbalyst (früher Crystal): Visueller Workspace als Desktop-App mit Fokus darauf, die Ergebnisse der Agenten zu bearbeiten. Gibt es auch als mobile App.
- Parallel Code: Soloprojekt vom Maintainer von Super Productivity. Pro Agent ein Worktree, der Fokus liegt auf dem Reviewen und Mergen der Diffs.
- agent-manager, agent-deck und Agent of Empires: Kleinere Terminal-Tools mit ähnlicher Zielrichtung, teils mit Web-Dashboard fürs Telefon.
- tmux und Zellij: Die Klassiker. Sie multiplexen Terminals zuverlässig, wissen aber nichts davon, dass in den Panes Agenten laufen. Kein Status, keine Erkennung, keine API für Agenten.
- Omnara und Paseo: Gehen in Richtung mobile Steuerung. Wenn Dein Hauptproblem ist, Agenten vom Telefon aus zu beaufsichtigen, sind diese Ansätze näher dran.
Herdr unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten: Es ist kein Wrapper um tmux, sondern eine eigene Rust-Runtime mit nativem Pane- und Workspace-Modell, und die Socket-API ist von Anfang an dafür gebaut, dass Agenten Herdr selbst steuern.
Ehrliche Einordnung und Risiken
Ein paar Punkte solltest Du im Hinterkopf behalten:
- Das Projekt ist jung. Die Feature-Liste und die Installationszahlen sind beeindruckend, aber die Codebasis ist neu und bewegt sich schnell. Breaking Changes zwischen Versionen sind zu erwarten.
- Worktree-Isolierung fehlt. Wer mehrere Agenten am selben Repository arbeiten lässt, sollte sie über Git-Worktrees oder separate Checkouts trennen. Unser Artikel zu mehreren KI-Agenten parallel geht auf dieses Problem im Detail ein.
- Die Socket-API ist mächtig. Ein Agent, der andere Agenten starten und Panes kontrollieren kann, hat de facto Shell-Zugriff auf Deine Maschine. Sandbox-Konzepte, wie wir sie unter KI-Agenten lokal und sicher betreiben behandeln, bleiben wichtig.
- Windows ist Beta. Unter macOS und Linux ist der Reifegrad deutlich höher.
- Kosten bleiben beim Agenten. Herdr selbst ist kostenlos und open source. Die Agenten darin nutzen weiterhin ihre jeweiligen APIs oder lokalen Modelle.
Häufige Fragen zu Herdr
Ist Herdr kostenlos?
Ja. Herdr ist ein quelloffenes Rust-Binary für macOS, Linux und Windows. Kosten entstehen nur durch die Coding-Agenten, die Du darin betreibst, etwa über deren API-Abos.
Brauche ich tmux-Erfahrung für Herdr?
Nein. Die Prefix-Tasten sind an tmux angelehnt, aber die komplette Oberfläche ist mit der Maus bedienbar: Panes anklicken, Splits ziehen, Kontextmenüs. Die Dokumentation richtet sich explizit an Nutzer ohne Multiplexer-Erfahrung.
Laufen meine Agenten weiter, wenn ich das Fenster schließe?
Ja. Die Panes gehören dem Hintergrund-Server, nicht dem Client. Fenster zu, Laptop zu, SSH weg: Die Agenten arbeiten weiter. Nach einem Reattach oder Neustart stellt Herdr Layout und Sessions wieder her.
Kann Herdr mehrere Maschinen verbinden?
Ja. Herdr unterstützt Remote-Zugriff über SSH. Du kannst Agenten auf einem Server oder einem zweiten Rechner betreiben und Dich vom Laptop aus andocken.
Welche Coding-Agenten erkennt Herdr?
Über zwanzig, darunter Claude Code, Codex, Devin CLI, Cursor Agent, OpenCode, Qwen Code, Gemini CLI, Grok CLI, Kilo Code und Hermes Agent. Manche melden ihren Status selbst, für andere liest Herdr ihn aus der Terminal-Ausgabe.
Ersetzt Herdr meine IDE oder den Agenten selbst?
Nein. Herdr ersetzt weder den Agenten noch Deinen Editor. Es besitzt nur die Terminals, in denen die Agenten laufen, und organisiert sie. Der eigentliche Coding-Agent bleibt das Werkzeug, das Du bereits nutzt.
Wie unterscheidet sich Herdr von Claude Squad oder Vibe Kanban?
Herdr ist eine eigene Terminal-Runtime mit Agenten-Erkennung und Socket-API. Claude Squad setzt auf tmux plus Git-Worktrees, Vibe Kanban auf ein Kanban-Board im Browser mit Task-Fokus. Herdr will die Ebene sein, auf der Agenten generell leben, nicht nur Tasks.
Ist es sicher, Agenten die Socket-API zu überlassen?
Das hängt von Deinem Setup ab. Die API erlaubt Agenten, Panes zu starten und andere Agenten zu steuern. Das ist praktisch Shell-Zugriff. Fahre solche Setups in Containern oder VMs und vergib nur die Berechtigungen, die der Workflow wirklich braucht.
Quellen und weiterführende Links
- Herdr Website und Dokumentation
- Herdr auf GitHub
- Dokumentation: Unterstützte Agenten
- Dokumentation: Agent Automation und Socket-API
Wo Herdr in Dein Setup passt
Herdr ist aktuell eines der interessantesten Werkzeuge für alle, die Coding-Agenten ernsthaft parallel betreiben. Es löst ein echtes Problem: den Überblick über mehrere gleichzeitig arbeitende Agenten. Wenn Du bisher mehrere Terminal-Fenster offen hattest und manuell nachgeschaut hast, welcher Agent gerade wartet, ist Herdr einen Test wert.
Wer dagegen nur gelegentlich einen einzelnen Agenten nutzt, fährt mit dem vorhandenen Setup weiterhin gut. Und wer Isolation auf Repository-Ebene und grafisches Diff-Review braucht, sollte Herdr mit Git-Worktrees kombinieren oder zu Conductor, Claude Squad oder Vibe Kanban greifen.


