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KI-Setup für Anfänger: In 4 Schritten zum eigenen KI-System

Das saubere Einsteiger-KI-Projekt: Brandkit-Textdatei, Second Brain mit Obsidian, LiteLLM als Modell-Gateway und Hermes als aktiver KI-Assistent. Schritt für Schritt.

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schutzgeist

6 min read
KI-Setup für Anfänger: Brandkit, Second Brain, LiteLLM und Hermes-Agent

KI-Setup für Anfänger: In 4 Schritten zum eigenen KI-System

Was dieser Artikel behandelt

Ein sauberes KI-Einsteiger-Projekt, das Dir in vier Schritten nicht nur ein funktionierendes System gibt, sondern Dir beibringt, wie die Teile zusammenhängen:

  1. Brandkit-Textdatei: Alles, was die KI über Dich, Deine Brand oder Firma wissen muss.
  2. Second Brain: Obsidian als Wissensbasis, die aus dem Brandkit wächst.
  3. LiteLLM: Das Gateway, das Dir zeigt, wie Modelle, APIs und Kosten zusammenhängen.
  4. Hermes Agent: Der aktive Assistent, der alle drei Teile nutzt.

Am Ende hast Du kein Demo-Spielzeug, sondern eine Infrastruktur, die Du verstehst und erweitern kannst.

Warum dieses Setup KI verstehen lehrt

Die meisten Anfänger starten mit „irgendeine Chat-App” und lernen nichts über die Schichten darunter. Dieses Projekt zeigt Dir alle vier Ebenen, die jedes ernsthafte KI-System hat: Kontext (Brandkit), Wissen (Second Brain), Modell-Zugriff (LiteLLM) und Ausführung (Agent). Wer diese Schichten einmal selbst verdrahtet hat, versteht danach jedes KI-Tool, das ihm begegnet.

Schritt 1: Die Brandkit-Textdatei

Das Brandkit ist eine einzelne Markdown-Datei, die der KI sagt, für wen sie arbeitet. Sie wird später System-Prompt, RAG-Quelle und Agenten-Kontext zugleich. Erstelle brandkit.md:

# Brandkit: [Dein Name / Firma]

## Wer bin ich / wer sind wir
Freelancer für Webentwicklung, seit 2019, Bochum.
Ein-Mann-Betrieb, Kunden: lokale Handwerksbetriebe und Praxen.

## Ton & Stil
Du-Form, direkt, keine Floskeln. Technisch präzise, aber für
Nicht-Techniker verständlich. Keine Emojis in Kundentexten.

## Was ich anbiete
- Websites mit Astro (ab 2.500 €)
- SEO-Grundlagen & Wartung (150 €/Monat)
- E-Mail: info@example.de

## Was ich NICHT mache
Keine Online-Shops, keine App-Entwicklung, keine Rabatte unter 10 %.

## Zielgruppe
Inhaber kleiner Betriebe, 40-65 Jahre, wenig technisches Vorwissen.

## Wiederkehrende Formulierungen
„Festpreis ohne Überraschungen", „läuft lokal bei Ihnen"

Warum das mächtig ist: Jede Anfrage an die KI bekommt dieses File als Kontext. Die KI schreibt dann Angebotstexte in Deinem Ton, kennt Deine Preise, sagt „nein” zu Jobs, die Du nicht machst. Eine Textdatei, null Tooling, der wichtigste Qualitätshebel, den es gibt.

Regel: Aktualisiere sie, sobald sich etwas ändert. Sie ist lebendig.

Schritt 2: Das Second Brain mit Obsidian

Das Brandkit ist der Anfang. Jetzt kommt alles dazu, was die KI wissen soll: Projekte, Kundennotizen, Snippets, Learnings, Briefings. Obsidian ist dafür der Standard (kostenlos, lokale Markdown-Files, keine Cloud nötig). Alternativ geht jedes andere Notizsystem, das echte Dateien erzeugt (Logseq, Joplin, ein simpler Ordner).

mein-brain/
├── brandkit.md          ← aus Schritt 1
├── kunden/
│   ├── schreiner-mueller.md
│   └── zahnarzt-dr-weber.md
├── projekte/
│   ├── website-relaunch.md
│   └── seo-checkliste.md
├── snippets/
│   ├── angebotstext-vorlage.md
│   └── einwandbehandlung.md
└── learnings/
    └── was-funktionierte.md

Der Trick: Weil alles Markdown-Dateien sind, kann die KI den Ordner direkt lesen. Später wird daraus eine RAG-Wissensdatenbank (siehe Dokumentenbot-Projekt und RAG-Grundlagen). Für den Anfang reicht: Du referenzierst Dateien im Prompt.

Schritt 3: LiteLLM installieren, um zu verstehen, wie alles zusammenhängt

Jetzt der Infrastruktur-Teil. LiteLLM ist ein Gateway: Es stellt einen einheitlichen OpenAI-kompatiblen Endpoint vor allen Modellen, lokalen (Ollama) wie Cloud (OpenAI, Anthropic, Google). Ein Endpoint, alle Modelle, und Du siehst genau, was ein Request ist, was ein Token kostet, wie ein Modellwechsel aussieht.

# Installieren
pip install litellm[proxy]

# Oder per Docker
docker run -p 4000:4000 ghcr.io/berriai/litellm:main-latest

litellm-config.yaml:

model_list:
  - model_name: lokal-qwen
    litellm_params:
      model: ollama/qwen3.8:27b
      api_base: http://localhost:11434
  - model_name: claude-sonnet
    litellm_params:
      model: anthropic/claude-sonnet-4-5
      api_key: os.environ/ANTHROPIC_API_KEY
  - model_name: gpt-5-mini
    litellm_params:
      model: openai/gpt-5-mini
      api_key: os.environ/OPENAI_API_KEY

general_settings:
  master_key: sk-dein-key
litellm --config litellm-config.yaml --port 4000

# Testen: derselbe Call, zwei Modelle
curl http://localhost:4000/chat/completions \
  -H "Authorization: Bearer sk-dein-key" \
  -d '{"model": "lokal-qwen", "messages": [{"role": "user", "content": "Hallo"}]}'

Was Du hier lernst: Der Agent fragt nie direkt „OpenAI” oder „Ollama” an, sondern immer localhost:4000 mit einem Modellnamen. Wechselst Du das Modell, ändert sich nur ein String. Kosten-Tracking, Rate-Limits und Fallbacks (fallbacks: [{"lokal-qwen": ["claude-sonnet"]}]) kommen gratis dazu. Das ist exakt die Architektur, die Firmen intern fahren, nur in klein.

Schritt 4: Hermes als aktiver Assistent, der alles nutzt

Jetzt die Ausführungsebene. Hermes Agent ist ein persistenter KI-Assistent mit Gedächtnis, der dauerhaft läuft und Aufgaben abarbeitet. Angebunden wird er so:

Hermes Agent
  ├── System-Prompt/Kontext  → brandkit.md (Schritt 1)
  ├── Wissensbasis           → mein-brain/ (Schritt 2, lesbar/RAG)
  └── Modell-Endpoint        → LiteLLM :4000 (Schritt 3)

In der Hermes-Config setzt Du den LiteLLM-Endpoint als OpenAI-kompatible API:

llm:
  base_url: http://localhost:4000
  api_key: sk-dein-key
  model: lokal-qwen
context_files:
  - /home/du/mein-brain/brandkit.md
memory_dir: /home/du/mein-brain/

Damit passiert das eigentliche „KI verstehen”: Du fragst Hermes „schreib ein Angebot für den Müller-Auftrag”, er zieht das Brandkit (Ton, Preise), liest kunden/schreiner-mueller.md (Kontext), schickt es über LiteLLM an Dein lokales Modell, und Du siehst im LiteLLM-Log genau den Request, die Tokens, die Kosten. Jede Schicht ist sichtbar und austauschbar.

Was Du jetzt verstehst (und wohin es weitergeht)

Nach diesem Setup kannst Du beantworten, was die meisten KI-Nutzer nicht können:

  • Was ein System-Prompt/Context-File ist und warum es alles entscheidet (Brandkit)
  • Was eine Wissensbasis/RAG-Quelle ist (Second Brain)
  • Was ein LLM-Gateway macht und wie ein API-Call aussieht (LiteLLM)
  • Was ein Agent ist: ein Loop aus Kontext + Modell + Tools (Hermes)

Logische nächste Schritte: den Brain-Ordner als echte RAG-Datenbank anbinden, LiteLLM-Fallbacks und Kosten-Limits konfigurieren, Hermes mit n8n-Automationen verbinden (z. B. „neue E-Mail → Agent entwirft Antwort mit Brandkit-Ton”), oder ein lokales Modell für den Datenschutz-Teil.

Key Takeaways:

  • Das Einsteiger-Setup hat 4 Schichten: Brandkit (Kontext) → Obsidian Second Brain (Wissen) → LiteLLM (Modell-Gateway) → Hermes (Ausführung).
  • Das Brandkit ist eine Markdown-Datei mit allem, was die KI über Dich/Deine Firma wissen muss: Ton, Angebot, Preise, Grenzen.
  • Obsidian erzeugt lokale Markdown-Files, die die KI direkt lesen kann, der spätere RAG-Grundstock.
  • LiteLLM zeigt Dir die Infrastruktur: ein OpenAI-kompatibler Endpoint für lokale und Cloud-Modelle, mit Logging und Kostenkontrolle.
  • Hermes Agent verbindet alles: Brandkit als System-Prompt, Brain als Gedächtnis, LiteLLM als Modellquelle. Damit verstehst Du, wie jedes KI-System funktioniert.

FAQ

Was kommt in eine Brandkit-Textdatei?

Alles, was die KI über Dich oder Deine Firma wissen muss: Wer Ihr seid, Ton und Stil, was Ihr anbietet (mit Preisen), was Ihr nicht macht, Zielgruppe, wiederkehrende Formulierungen. Eine Markdown-Datei, die später System-Prompt und RAG-Quelle ist. Regelmäßig aktualisieren.

Warum LiteLLM statt direkt Ollama oder OpenAI?

LiteLLM ist ein Gateway vor allen Modellen: ein einheitlicher OpenAI-kompatibler Endpoint, egal ob dahinter Ollama, OpenAI oder Anthropic liegt. Modellwechsel = ein String ändern, dazu Kosten-Logging, Fallbacks und Rate-Limits. Es lehrt genau die Infrastruktur, die Firmen intern nutzen.

Muss das Second Brain Obsidian sein?

Nein, jedes System mit echten lokalen Dateien funktioniert (Logseq, Joplin, sogar ein Ordner mit .md-Files). Obsidian ist der Standard, weil es kostenlos, lokal und markdown-nativ ist. Wichtig ist nur: echte Dateien, kein proprietäres Cloud-Format, damit die KI sie lesen kann.

Was macht der Hermes Agent genau?

Ein persistenter KI-Assistent, der dauerhaft läuft, Gedächtnis hat und Aufgaben abarbeitet. In diesem Setup bekommt er das Brandkit als Kontext, den Obsidian-Ordner als Wissensbasis und LiteLLM als Modell-Endpoint. So nutzt er alle drei vorherigen Setups in einem System. Details im Hermes-Agent-Artikel.

Was kostet das Setup?

0 Euro komplett lokal: Brandkit (Textdatei), Obsidian (gratis), LiteLLM (Open Source), Hermes (Open Source), Modelle via Ollama lokal. Nur wenn Du zusätzlich Cloud-Modelle über LiteLLM routest, entstehen API-Kosten, die sind aber optional.

Quellen und weiterführende Literatur

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